meine fruehe karriere als kellner in sydney verlangte das taegliche reisen im bus. die route fuehrte von bondi beach durch die seitenstrassen von paddington in die city. ich hatte keine probleme mit der 45-minuetigen taeglichen fahrt, mochte sie sogar fuer die moeglichkeit zu entspannen.
.
ich sitze also wie gewohnt in meinem lieblingsplatz, reihe 7, sitz am gang, meine tasche neben mir. lesend gleite ich so durch die stadtbezirke. auf halben weg blicke ich auf und beobachte einen aelteren herren einsteigen. er traegt eine anzugsjacke voller abzeichen, die ihn als anzac ausweisen. anzac ist das ehemalige australisch – neuseelaendische armee korps – die stolzen und hochrespektierten soldaten des ersten und zweiten weltkrieges.er kommt auf meine reihe zu. hilfsbereit rutsche ich rueber, nehme meine tasche vom sitz und ermoegliche ihm so, sich schnell hinzusetzen. der mann nickt und setzt sich. ich lese weiter.
ein paar minuten vergehen ereignislos. ploetzlich verspuere ich etwas merkwuerdiges. der schmale luftspalt zwischen unseren oberschenkeln ist verschwunden und wir sind in direktem beinkontakt. ich blicke pruefend auf meine beinstellung und finde sie unveraendert. eine seichte welle des unbehagens schwappt durch meinen koerper. ich lasse sie verebben und widme mich wieder meinem buch.
wenige momente spaeter jedoch bemerke ich eine unabstreitbare verstaerkung unseres koerperkontakts. das unbehagen brodelt erneut auf, diesmal staerker. das hat man nun davon, wenn man freundlich ist.
‚bei allem respekt‚ aber so mal nich, opa’, denk ich mir und beginne mit operation gegendruck. ich beachte dabei alle regeln des doppelreihensitzbeinraumduells in oeffentlichen nahverkehrsmitteln.
‘ist das der dank fuer meine freundlichkeit?’
ich starre weiter in mein buch und halte unbeindruckt mein bein in stellung. wir sitzen so fuer einige zeit, waehrend sein pressen auf einem konstanten pegel zu bleiben scheint.fast vergesse ich unseren monotonen wettstreit, als ich ploetzlich koerperberuehrung an meinem oberarm wahrnehme.
‚det kann doch wohl nich wahr sein’ .
sein arm drueckt staerker und staerker gegen meinen. meine sympathie ist jetzt restlos aufgebraucht und mein respekt vorm alter hat sich in blanke wut verwandelt.
gerade als ich zum ellenbogenaussortierschlag ausholen will, werde ich von einem eigenartiges, tiefvibrierendes geraeusch abgelenkt. fuer einen moment halte ich inne und lausche. das geraeusch kommt wieder und verstummt. fast bin ich mir sicher als ursache fuer diese seltsamen toene das handy der jungen frau vor mir auszumachen als opa’s kopf langsam auf meine schulter gleitet.
ich blicke voellig entgeistert herueber und finde den senioren schnarchend an meinem arm. mein aerger verfliegt und ich bin ratlos. was macht man mit einem achtzigjaehrigen, der einen grunzend gegen das busfenster drueckt?
bevor ich eine loesung finden muss, wacht er mit einem leichten schuetteln von selbst auf. er schaut mich verdutzt an und laechelt dann verlegen. nun schaeme ich mich aber gewaltig. das alter hat ihm nur noch wenige zaehne gelassen.
vor einem augenblick noch wollte ich ihm diese paar letzten beisser rigoros rausdreschen und waere wahrscheinlich des landes verwiesen worden.
axelexcellent