brief aus sydney

Beiträge vom September 2008

bilderbuch-goettergatte

28-September-2008 · Kommentar schreiben

unser naechster clanverstaerker wartet geduldig im mutterbauch und schert sich wenig um gebaerkalkulationen, unmittelbare lebensplanung und allgemeine arbeitsverplichtungen. 10 tage sind seit geburttermin verstrichen und frechfoetus turnt putzmunter volle rueckwaertsrollen auf der falschen seite des muttermundes. waehrend sich alle besorgt alle 3.5 sekunden nach dem befinden meiner gattin erkundigen, fragt mich nur ein einziger nach meinem ergehen: Keine Sau. allen anderen isses scheissegal.

bemerke ich da ein gewaltiges aufwallen in der internationalen frauenbewegung? vernehme ich vereinzelte, sich schnell verstaerkende hochtonkreische: zieh’n kopp ein, du vollverweichlichtes vatertier! wat weesst du denn schon von melonen aus’m rektalkanal wenn ihr maennerbande bei jedem husten heult? fresse halten, hinsetzen und extra kissen rueberreichen!

am leben halten mich eure vestecktsympathien, liebe weltweite auchpapas. heimlich nicken wir uns im geheimen insgeheim zu. wir haben unsere hochvergoettlichten nach hartem vor und zurueck ueberzeugen koennen sich das pokalspiel statt der lieblingsserie vor’m lieblingsfilm anzutun. und nun geht die ganze schose in die verlaengerung und elferknallen. da bleiben nur verlierer.

an alle nochnichtfortgepflanztenspaetervaeter ein kleiner rat fuer wenns euch dann trifft: fresse halten, hinsetzen und extra kissen rueberreichen!

axelexcellent

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det stand nich im katalog

21-September-2008 · 2 Kommentare

also langsam reichts mir. da kommt man hier in sydney nixahnend in dauerurlaubsstimmung an und mit wat muss man sich abgeben? brutalste temperaturschwankungen von 25-35 Grad im sommer mit och noch gelegentlichen gewittern. im winter soll man sich horrende durchschnitte von 20 Grad gefallen lassen, die se einem versuchen mit dauersonnenschein zu uebertuenchen.
bin mal runter zum hafen. kannste voll vergessen. vor lauter dauerglitzern uff der blauwasseroberflaeche kann keene sau ohne teure sonnenbrille weder opernhaus noch bruecke und den ganzen schnickschnack sehen. und uff der faehre rueber nach nord sydney wird einem vom rundherumgeglotze voellig schwindlich.
all paar wochen mach’n die hier eene bambule dass man nich mal uff’m liegestuhl liegen kann.  hier wat los, da wat los -  wer soll sich da in ruhe ausruhen? da hamse mich zum draussenfreilichtfilmanguckfestival gelockt, angeblich weltberuehmt und superdoll. von wegen! hunderttausend auf ner grossen wiese, machen laerm und picknick und dann sind det och noch allet kurzfilme. nich mal n’schoenbuntfilm so mit anfang, mitte und happy-ende. Nee, nur allet buntdurchnander, mal lustig und alle groelen, dann wieder heulerei, krimi, docu, gruselig. die uff der nebendecke hammir jetzt schon det dritte glas wein und mit minikaesecraecks anjedreht. aber mir koenn die dauerfreundlich australisch locker nischt vormachen. die wolln mir garantiert die euros aus der bauchtasche rausklauen.
und wennde denkst du kannst am lauen sommerabend mal in ruhe die promenade runterspazieren, trommeln dir die brasilianer die ruebe zu, argentinier quasseln mit chilenen und urus, schotten und iren kann keene sau verstehen; skandinavier, tschechen, asiaten aller sorten und und und. wer solln da klar kommen? da will ick wat essen und finde thai, italiener, ethopier, spanier, malysier am strand, am hafen, in der bucht…’aber ne ordentliche haxe hamse nich’, denk ick mir und finde mich ploetzlich mit bierkrug und sauerkraut im loewenbraeukeller. wenigstens n’bisschen ordnung. aber einziehen lassen woll’n se mich nich. dann geh ick halt im pacifik baden. diese scheiss hitze aber och.

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andere laender, andere sitten

14-September-2008 · Kommentar schreiben

viele von uns fragen sich: mensch, wasdenn eigentlich so anders woanders? is det unkraut wirklich gruener?

na denn guckenwa zum beispiel mal auf’s politsytem um zu sehn,  wie geordnet sich abgeordnete anderer laendern bewegen.

der neue polizeiminister des bundesstaates new south wales hier in australien war drei tage im amt als er seinen job schon wieder los war.

was war passiert?

eine kleine bueroparty nach erfolgreicher haushaltsdebatte hatte alle beteiligten in geloester stimmung. besonders geloest zeigte sich unser angehender oberbeschuetzer: voller freude fuehrter er seine eigene induvidualpolonaese durch den raum bevor er im muehelosen lambadaschritt auf die buerocouch sprang. einmal oben gut drauf zeigte er wahllos die neuesten huepfer aus seiner tangoklasse und weil dass warm macht, machte er sich frei von laestigem hemd und anzugshose. jetzt nur noch in schluepper war er losgeloest von allen politischen zwaengen.
nachdem die story die runde machte und die presse erreichte, erinnerte er sich nur was sie ihm am ersten tag des politikerferienlagers beigebracht haben: alles abstreiten. das ging nicht lange gut. dann erinnerte er sich an lektion zwei, und schnappte sich (aus mangel an eigengeignetem niedlichnachwuchs) seine schnucklige nichte fuerne pressekonferenz mit dahinterstehenden freunden und familie. er moege eventuell in gewisser weise leicht fehlgetreten haben sein tun …

so, falls ihr euch immernoch fragt was hier anders ist:
wenn die politkasper erst scheisse baun,  dann allen den buckel gruen und blau schummeln, sich dann an nischt erinnern koennen und auf’s empoerteste hoechstenergisch dementieren, dann gezwungen zugeben und schliesslich kleinstlaut bei onkel paule, oma und dem rest des volkes entschuldigen, mit gehobener dauerwelle zuruecktreten, bevor sie irgendwo wieder schummelschwindelnd auftauchen,  dann tunse das hier … in englisch.

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der freche opa

7-September-2008 · Kommentar schreiben

meine fruehe karriere als kellner in sydney verlangte das taegliche reisen im bus. die route fuehrte von bondi beach durch die seitenstrassen von paddington in die city. ich hatte keine probleme mit der 45-minuetigen taeglichen fahrt, mochte sie sogar fuer die moeglichkeit zu entspannen.

.

ich sitze also wie gewohnt in meinem lieblingsplatz, reihe 7, sitz am gang, meine tasche neben mir. lesend gleite ich so durch die stadtbezirke. auf halben weg blicke ich auf und beobachte einen aelteren herren einsteigen. er traegt eine anzugsjacke voller abzeichen, die ihn als anzac ausweisen. anzac ist das ehemalige australisch – neuseelaendische armee korps – die stolzen und hochrespektierten soldaten des ersten und zweiten weltkrieges.er kommt auf meine reihe zu. hilfsbereit rutsche ich rueber, nehme meine tasche vom sitz und ermoegliche ihm so, sich schnell hinzusetzen. der mann nickt und setzt sich. ich lese weiter.

ein paar minuten vergehen ereignislos. ploetzlich verspuere ich etwas merkwuerdiges. der schmale luftspalt zwischen unseren oberschenkeln ist verschwunden und wir sind in direktem beinkontakt. ich blicke pruefend auf meine beinstellung und finde sie unveraendert. eine seichte welle des unbehagens schwappt durch meinen koerper. ich lasse sie verebben und widme mich wieder meinem buch.

wenige momente spaeter jedoch bemerke ich eine unabstreitbare verstaerkung unseres koerperkontakts. das unbehagen brodelt erneut auf, diesmal staerker. das hat man nun davon, wenn man freundlich ist.

‚bei allem respekt‚ aber so mal nich, opa’, denk ich mir und beginne mit operation gegendruck. ich beachte dabei alle regeln des doppelreihensitzbeinraumduells in oeffentlichen nahverkehrsmitteln.

‘ist das der dank fuer meine freundlichkeit?’

ich starre weiter in mein buch und halte unbeindruckt mein bein in stellung. wir sitzen so fuer einige zeit, waehrend sein pressen auf einem konstanten pegel zu bleiben scheint.fast vergesse ich unseren monotonen wettstreit, als ich ploetzlich koerperberuehrung an meinem oberarm wahrnehme.

‚det kann doch wohl nich wahr sein’ .

sein arm drueckt staerker und staerker gegen meinen. meine sympathie ist jetzt restlos aufgebraucht und mein respekt vorm alter hat sich in blanke wut verwandelt.

gerade als ich zum ellenbogenaussortierschlag ausholen will, werde ich von einem eigenartiges, tiefvibrierendes geraeusch abgelenkt. fuer einen moment halte ich inne und lausche. das geraeusch kommt wieder und verstummt. fast bin ich mir sicher als ursache fuer diese seltsamen toene das handy der jungen frau vor mir auszumachen als opa’s kopf langsam auf meine schulter gleitet.

ich blicke voellig entgeistert herueber und finde den senioren schnarchend an meinem arm. mein aerger verfliegt und ich bin ratlos. was macht man mit einem achtzigjaehrigen, der einen grunzend gegen das busfenster drueckt?

bevor ich eine loesung finden muss, wacht er mit einem leichten schuetteln von selbst auf. er schaut mich verdutzt an und laechelt dann verlegen. nun schaeme ich mich aber gewaltig. das alter hat ihm nur noch wenige zaehne gelassen.

vor einem augenblick noch wollte ich ihm diese paar letzten beisser rigoros rausdreschen und waere wahrscheinlich des landes verwiesen worden.

axelexcellent

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