brief aus sydney

Beiträge vom Oktober 2008

japanese

19-Oktober-2008 · 1 Kommentar

verdutzt tippt der junge japaner neben mir in seinen uebersetzungscomputer. leise murmelt er vor sich hin: ‘nipple, nipple’ . sein sonst zuverlaessiges geraet laesst ihn verunsichert. nipple? unsere lektorin setzt ihren satz fort:.. ‘find the nipples, place your hands and give compressions.’ ploetzlich sitzt mein nachbar aufrecht. mit einem kleinen piep signalisiert sein elektronischer helfer das ergebinis. entsetzt schliesst er den deckel.
ich fuehle leichtes mitleid mit meinem ueberfreundlichem fernostler. so direkt hat ihm wahrscheinlich noch nie jemand ‘erste hilfe’ erklaert. oder ueberhaupt die menschliche anatomie. unsere lektorin kuendigt partneruebungen an. mein japaner ist der ohnmacht nahe. geschickt nutzt er eine unaufmerksamkeit, um den raum zu verlassen.
ich muss mich mit der puppe vor mir arrangieren. ’find the nipples, place your hands and give compressions.’  na dann los, meine kleene. sie riecht doch zu stark nach latex und ist ohne beine nicht mein typ. schoen still war se aber.

zum theorie examen sitzt er dann wieder neben mir. er sieht erholt aus nach seiner halben stunde in der herrentoilette. die fragen des tests sind fuer mich gewandten ersthilfler kein offener beinbruch. ueber meine schulter halte ich die lektorin im schach und schiebe meine antworten herueber. mit verzagt verunsichertem halblaecheln winkt mein scheuer japaner ab: ohhh no, no, no … mit wiederholtem kopfverneigen.

na dann viel glueck,  mein freund und alles gute.

erinnerung an selbst: vermeide herzinfarkt in japan.

axelexcellent

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ruhe!

12-Oktober-2008 · Kommentar schreiben

im unmelodischen 10 minuten takt  schreit sich diese schreihaelsin durch die nacht. ick hab mir die bediennungsanleitung jetzt schon dutzende male durchgelesen – den ausschaltknopf hab ick immernochnich gefunden. milch hier, bischen schunkeln, an der schulter, erst hin- dann herlaufen – diese scheisserin ist am dauerverlangen.

apropos scheissen. det macht se ja zu gerne. und dauernd. und oft. und staendig. macht eigentlich nischt anderet. schreien, scheissen, schlafen. letzteres natuerlich nur tagsueber. is ja sonst och zu langweilig. ‘ick werd die alten mal uff trab halten – die ham ja sonst nischt zu tun.’

wutentbrannt ruf ick in dem schmierladen an, wo se mir den brocken angedreht haben. wie jetzt, ‘faellt nicht unter garantie leistung’ , ‘normales kleinstnachwuchsverhalten’ , ‘in drei monaten wird’s besser’ ?

in drei monaten!? wollt ihr mich veraeppeln? in drei monaten sitz ick im gefaengnis fuer psychopathische entgleisungen mit stumpfem gegenstand in vollbesetztem nahverkehrsmittel.

sobald ick den kassenzettel finde, bring ick det ramschbuendel zurueck.

axelexcellent

wir freuen uns sooo sehr ueber unsere neue schwester

wir freuen uns sooo sehr ueber unsere neue schwester

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baby boom

6-Oktober-2008 · 1 Kommentar

eine gute halbe stunde starrt mir der einwanderungsbehoerdenoffizier jetzt schon in den schritt.  mein gegenueber war ueber sechzig, hatte noch alle zaehne und das haar war gekaemmt. ich hatte mir fest vorgenommen in australien zu bleiben. ob der schnauzbart kiztzeln wird? mein immigrierungsverlangen schien kurz vor dem ultimativen test.

mein oeffnen des ersten hemdknopfes wird vom aufschwingen der buerotuer verzoegert. herein spaziert eine kollegin. auch sie ist mehr in meinen sitzbereich als meine augenfarbe interessiert. ‘na wat is denn hier los?’
nach einigem beraten druecken sie mir ploetzlich meinen stempel in den reisepass: vorlauefiger aufenthalt zum zwecke der beantragung des temporaeren wohnsitzes in australien – genehmigt. laechelnd reicht er mir mein dokument: willkommen.
9 jahren sind vergangen und ich erinnere mich glassklar:
vom flugplatz fahr ich an unendlich vielen spielplaetzen vorbei. ein park folgt auf den anderen. jeder strand hat einen eingebauten minipool. ein haufen kinderlaeden. buggies ueberall. laechelnde muetter, die von gesellschaftlicher fuersorge und einrichtungsfreundlichkeiten ueberschuettet werden. ich schlag die zeitung auf und da steht’s:
‘eins fuer papa, eins fuer mama, eins fuer die nation.’ hatte der innenminister gerade vorgegeben, um den australischen bevoelkerungsbaum wieder aufzustaemmen.
meine homosexuelle eitelkeit war gekraenkt. was ich stolz als gleichgeschlechtlichen annaeherungsversuch interpretiert hatte, entpuppte sich als rein wissenschaftliches raetselraten ueber meine fortpflanzungskapazitaet.

damals kicherte ich noch in mich hinein ueber meine taeuschungscleverness im zollbereich. gekonnt hatte ich die hosen mit socken verstaerkt. ein alter trick aus pubertaeren diskozeiten. auf was die marzahner maedels reihenweie nich reingefallen sind, hat endlich auf der anderen erdhalbkugel ausgetrickst.

die denken hier ernsthaft, dass ick mir miniplagemeister an die backe klebe. ick doch nich. wer wird denn wohl denn so bloed sein? FREIHEIT!

axelexcellent

P.S. Am Dienstag, dem 30.9.2008 um 13.39 Uhr Ortszeit erblickte mein drittnachwuchsthronfolger das licht der weiten welt. eine tochter.

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